CREDO, das Netzwerk ev. Theologinnen und Theologen in Westfalen hat sich bei einem Studientag am 9. Mai mit dem Zusammenhang von Evangelisation und Bekenntnis beschäftigt. Das Impulsreferat hielt der Evangelist und langjährige Leiter von Pro Christ und jetzige Vorsitzende des Netzwerks Bibel und Bekenntnis, Pfarrer Ulrich Parzany. Gibt es eine Spannung zwischen dem Anliegen der Evangelisation, Menschen mit der Guten Nachricht von Jesus Christus zu erreichen, und dem Bekenntnis, das immer auch Grenzen markiert und darum ausschließend wirken kann?

Parzany machte in seinem Vortrag deutlich, dass Evangelisation und Bekenntnis keine Gegensätze oder Pole sind, sondern untrennbar zusammengehören. Ausgehend von der Definition, dass es bei der Evangelisation um die Verkündigung des Evangeliums an Menschen geht, die Jesus Christus noch nicht als ihren Herrn bekennen, machte Parzany deutlich, dass es Evangelisation nicht ohne Bekenntnis gibt. Der Inhalt der Verkündigung ist im Neuen Testament Jesus der Messias Israels und der Retter der ganzen Welt.  Die Antwort auf diese Verkündigung ist nach Röm 10,9f das Bekenntnis: „Kyrios Jesus, Jesus ist der Herr.“ Und dieses Bekenntnis rief von Anfang an Widerspruch hervor. Der Widerspruch kam von jüdischer Seite, weil Kyrios nach dem Alten Testament Jahwe selbst ist, und von römischer Seite, weil der Kaiser diesen Titel für sich beanspruchte. Und auch der Name Jesus, „Jahwe rettet“, stellt von Anfang an die Frage, ob das als Wahrheit anerkannt und bekannt wird, oder als Lüge abgelehnt.

Beim Glauben, auf den die Evangelisation zielt, geht es um eine persönliche Glaubensbeziehung, einen Glaubensakt und gleichzeitig geht es darum, dass dieser Glaube nicht inhaltsleer ist, sondern einen ganz konkreten Inhalt hat. Dieser Inhalt ist Jesus, wie er von den Evangelien bezeugt wird.

Evangelisation hat 3 Komponenten:

1. Die Verkündigung der Guten Nachricht von Jesus, dem Christus, dem Retter und Herrn. (Apg 2,14-36). Diese Verkündigung passiert im Indikativ. Früher gab es bei Menschen in Deutschland viel Wissen über den christlichen Glauben und daher konnte die Evangelisation den Schwerpunkt darauf legen, dass aus diesem oft toten Wissen eine lebendige Glaubensbeziehung wird. Heute haben Menschen in den meisten Fällen ein solches Wissen nicht mehr und darum muss Evangelisation ain Grundzügen auch über den Glauben informieren.

2. Die Zweite Komponente der Evangelisation ist der Ruf zur Umkehr und in die Nachfolge von Jesus, dem Christus. Dies passiert als Aufforderung (Imperativ) (Mk 1,15; Apg 2,38).

3. Die dritte Komponente ist ein Prospekt, eine Vorstellung dessen, was Christsein ist. Dazu gehört, dass deutlich wird, Christsein ist Leben in der Gemeinschaft. Dieser Punkt bedeutet eine besondere Herausforderung für Menschen in einer individualistischen Gesellschaft. Dazu gehört weiter der Hinweis, dass Christen zum Dienst für die Menschen und die Welt berufen sind. Und dazu gehört schließlich auch der Hinweis, dass Christsein auch bedeutet, in Konflikte gestellt zu sein, weil es in der Nachfolge von Jesus zu Konflikten kommt, weil Menschen ihn und seinen Weg ablehnen.

Bei der Frage nach dem Wie der Evangelisation gibt es zwei wichtige Fixpunkte. Im Blick auf den Inhalt geht es um die Treue zum Inhalt, der nicht verändert werden kann. Es gibt kein anderes Evangelium (Gal 1,6-10). Im Blick auf die Formen der Evangelisation ist eine größtmögliche Flexibilität nötig, um wenigstens einige zu erreichen (1 Kor 9,22).

Beim Blick auf die Adressaten der Evangelisation geht es immer auch darum, Anknüpfungspunkte für die Verkündigung des Evangeliums zu finden.  Dabei muss man Menschen, die gut und auch glücklich ohne Gott leben, nicht auf ihre noch nicht erkannten Defizite ansprechen, sondern vielmehr auf die Bestimmung, die Gott, der Schöpfer, für uns Menschen hat. Wir sind geschaffen, um Gott zu ehren und den Menschen zu dienen. Diesen Platz in Gottes Schöpfung sollen wir erkennen und einnehmen.

Im weiteren Verlauf des Tages ging es dann auch um die Möglichkeiten des Zusammenwirkens von CREDO Westfalen und dem Netzwerk Bibel und Bekenntnis.

Der nächste Studientag findet am 24. Oktober im Rahmen unserer diesjährigen Herbsttagung statt.